Studien im Blickpunkt

Hier stellen wir empirische Arbeiten vor, die auf der Grundlage von Datennutzungsanträgen beim FDZ am IQB entstanden sind. Diese Publikationen zeigen beispielhaft das Potenzial von Sekundäranalysen.

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In der Studie Discipline gaps in German schools? A video study on teacher-based discrimination, die kürzlich in der Zeitschrift „Learning and Instruction“ erschienen ist, untersuchen die Autor*innen Sophie Harms, Sarah Gentrup, Kristin Schotte, Sebastian Weirich, Hanna Dumont und Aileen Edele , ob schulische Disziplinierungsprozesse mit herkunftsbezogenen Ungleichheiten verbunden sein könnten. Im Zentrum steht die Frage, ob Lehrkräfte vergleichbare Unterrichtssituationen unterschiedlich wahrnehmen, bewerten oder sanktionieren, je nachdem, welche Schüler*innen in diesen Situationen zu sehen sind. Die Autor*innen nutzen dafür den Datensatz der Studie „Kompetenzerwerb und Lernvoraussetzungen“, da sich diese Studie der Forschungsfrage mit einem videobasierten Design nähert. Lehrkräfte beurteilten dabei Unterrichtssituationen, wodurch untersucht werden kann, ob Unterschiede in der Einschätzung von Verhalten und im Umgang mit Regelverstößen systematisch mit Merkmalen der gezeigten Schüler*innen zusammenhängen.

Besonders hervorzuheben ist, dass es sich bei der Publikation um einen „Registered Report – Stage I“ handelt. Das bedeutet: Forschungsfragen, Hypothesen, Studiendesign und Auswertungsstrategie wurden bereits vor der Durchführung der zentralen Analysen begutachtet. Auf die Ergebnisse der Studie müssen Sie somit noch warten; die Richtung und Stärke der Zusammenhänge werden deren Publikation dabei nicht beeinflussen. Dieses Format stärkt Transparenz und Nachvollziehbarkeit empirischer Forschung, weil die wissenschaftliche Qualität der Fragestellung und der Methodik unabhängig von späteren Ergebnissen bewertet werden.

Die Studie zeigt exemplarisch, wie vorhandene Forschungsdaten und methodisch anspruchsvolle Sekundäranalysen genutzt werden können, um aktuelle Fragen zu Bildungsungleichheit, Diskriminierung und dem professionellen Handeln von Lehrkräften empirisch zu untersuchen.

Den Artikel (Open Access) finden Sie hier: https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2026.102362

Die Studie Discriminatory Climate and School Adjustment in Ethnically Minoritized Adolescents and Majority Adolescents: An Investigation of the Mediating Role of Teaching Quality von Birgit Heppt, Miriam Schwarzenthal und Jan Scharf ist 2025 in der Zeitschrift „Journal of Youth and Adolescence“ erschienen. Sie untersucht den Zusammenhang zwischen einem wahrgenommenen diskriminierenden Schulklima und der schulischen Anpassung von Jugendlichen. Grundlage der Analyse sind Daten aus PISA 2018, die über das Forschungsdatenzentrum am IQB bereitgestellt werden.

Die Autor*innen analysierten Daten von 2.947 Schüler*innen aus Deutschland, die überwiegend die 9. Jahrgangsstufe besuchten. Untersucht wurde, wie sich das wahrgenommene diskriminierende Verhalten von Lehrkräften – etwa abwertende Äußerungen über bestimmte kulturelle Gruppen – auf verschiedene Aspekte der schulischen Anpassung auswirkt. Dazu zählten Lesekompetenz, Lesemotivation und das Zugehörigkeitsgefühl zur Schule.

Die Ergebnisse zeigen, dass ein stärker wahrgenommenes diskriminierendes Schulklima mit geringerer Lesekompetenz, geringerer Lesemotivation und einem schwächeren Zugehörigkeitsgefühl zur Schule verbunden ist. Besonders deutlich wird zudem, dass einige Gruppen von Jugendlichen – etwa mit Herkunft aus der Türkei, der SWANA-Region oder aus Ländern Subsahara-Afrikas – ein stärker diskriminierendes Schulklima wahrnehmen als andere.

Ein diskriminierendes Schulklima steht mit schlechterer Klassenführung in Zusammenhang, was wiederum negative Effekte auf schulische Leistungen und das schulische Zugehörigkeitsgefühl haben kann. Die Studie unterstreicht damit die Bedeutung eines respektvollen und inklusiven Schulklimas sowie qualitativ hochwertigen Unterrichts für die Lern- und Entwicklungschancen von Jugendlichen.

Den vollständigen Artikel (Open Access) finden Sie hier: https://doi.org/10.1007/s10964-025-02147-2

In der Studie Zusammenhänge des eingeschätzten Arbeits- und Sozialverhaltens in der Primarstufe mit Geschlechterunterschieden in der Benotung, welche in der Zeitschrift für Pädagogische Psychologie erschienen ist, fragen die (ehemaligen) FDZ-Mitarbeitenden Christin Rüdiger, Malte Jansen und Aleksander Kocaj, wie das von Lehrkräften eingeschätzte Arbeits- und Sozialverhalten die Fachnoten von Grundschulkindern beeinflusst und welche Rolle das Geschlecht dabei spielt. Zur Beantwortung dieser Frage nutzten sie FDZ-Daten aus den Schulleistungsstudien IGLU 2016 sowie TIMSS 2015 und werteten sie sekundäranalytisch aus.

Im Zentrum der Untersuchung stehen zwei Aspekte: Erstens wird geprüft, ob Lehrkräfte das Verhalten von Mädchen und Jungen unterschiedlich einschätzen. Zweitens wird analysiert, ob diese Einschätzungen Einfluss auf die Benotung in Deutsch und Mathematik nehmen – auch unter Kontrolle der Kompetenzen. Dabei zeigte sich, dass das Arbeits- und Sozialverhalten von Mädchen durchweg positiver eingeschätzt wurde. In die Fachnoten floss allerdings nur das Arbeitsverhalten ein – nicht das Sozialverhalten.

Die Studie zeigte zudem, dass ein Teil der Geschlechterunterschiede in den Fachnoten über die Einschätzungen des Arbeitsverhaltens vermittelt wurde – vollständig im Fach Deutsch, teilweise in Mathematik. Diese Ergebnisse machen deutlich, wie sich überfachliche Urteile auf fachliche Bewertungen auswirken können. Sie geben damit wichtige Impulse für die Diskussion über Leistungsgerechtigkeit und Stereotype in der Grundschule. Zudem zeigte die Veröffentlichung erneut, wie wertvoll die Nachnutzung großer Schulleistungsstudien über integrative Datenanalysen ist.

Den vollständigen Artikel (Open Access) finden Sie hier: https://econtent.hogrefe.com/doi/10.1024/1010-0652/a000401

Die Studie Language in good company: Unraveling peer effects on language development in early education using integrative data analysis of six German studies von Franziska Hürlimann, Oliver Lüdtke und Daniel Schmerse ist 2025 im Journal of Educational Psychology erschienen. Die Autor*innen nutzten Daten aus sechs deutschen Längsschnittstudien – darunter SEIKA-NRW, PHONO I, BiKS 3–10, KuL und BiSpra II. Gemeinsam umfassen diese Datensätze mehr als 15.000 Kinder in über 2.500 Kita- und Grundschulklassen.

Die Studie untersuchte, ob und wie die durchschnittlichen Sprachfähigkeiten einer Lerngruppe die Sprachentwicklung einzelner Kinder beeinflussen. Methodisch setzte das Team auf eine integrative Datenanalyse: Für jede Studie wurden identische Mehrebenenmodelle geschätzt, anschließend wurden die Ergebnisse meta-analytisch zusammengeführt. Auf diese Weise ließen sich Unterschiede zwischen Studien systematisch prüfen und robuste Schlussfolgerungen ziehen.

Das zentrale Ergebnis: Es zeigte sich kein übergreifender Haupteffekt, also kein genereller Vorteil für alle Kinder, wenn sie in Gruppen mit sprachlich stärkeren Peers lernten. Entscheidend war jedoch die individuelle Ausgangslage. Kinder mit geringeren anfänglichen Sprachkompetenzen profitierten deutlich stärker als Gruppen mit höheren durchschnittlichen Sprachfähigkeiten. Auf Kinder mit durchschnittlichen oder bereits hohen Sprachständen zeigte sich dagegen kein Einfluss. Dieser Befund spricht für kompensatorische Effekte: Ein sprachlich anregendes Umfeld kann besonders diejenigen unterstützen, die zu Beginn höhere Entwicklungsbedarfe haben.

Die Ergebnisse liefern damit ein differenziertes Gesamtbild: Nicht jede Lerngruppe wirkt gleichermaßen auf alle Kinder, aber gezielt zusammengesetzte Settings könnten sprachliche Disparitäten verringern. Auch zeigt die Arbeit, wie wertvoll integrative Auswertungen über mehrere Studien hinweg sind – und welches Potenzial in Sekundäranalysen steckt.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier: https://psycnet.apa.org/record/2026-54793-001

Der Artikel Are adolescents more socially integrated in all-day schools than in half-day schools? unserer (ehemaligen) Kolleg*innen Julia Künstler-Sment, Aleksander Kocaj, Georg Lorenz und Malte Jansen, der 2023 in der Zeitschrift für Pädagogische Psychologie erschienen ist, untersucht, ob Schüler*innen an Ganztagsschulen besser sozial integriert sind als an Halbtagsschulen – und welchen Einfluss die Teilnahme an außerschulischen Aktivitäten hat.

Grundlage der Analyse sind Daten des IQB-Bildungstrends 2018. Für die Auswertung wurden Informationen von über 10.000 Neuntklässler*innen aus 368 weiterführenden Schulen genutzt. Die soziale Integration wurde sowohl über Selbstauskünfte (z. B. Schulzufriedenheit, Zugehörigkeit zur Klasse) als auch über soziometrische Netzwerkmaße (z. B. Freundschaften, Unterstützung oder Ablehnung unter Tischnachbar*innen) auf Klassenebene erfasst.

Die Ergebnisse zeigen: In Klassen mit einer höheren Beteiligung an außerschulischen Aktivitäten berichteten Schüler*innen über stärkere soziale Beziehungen und eine höhere Zufriedenheit mit ihrer Schule. Auch in Ganztagsschulen war die soziale Integration – gemessen an Freundschafts- und Unterstützungsnetzwerken – tendenziell höher als in Halbtagsschulen. Die Unterschiede waren jedoch klein und traten nur unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren (z. B. Schulform, Migrationshintergrund, sozioökonomischer Status) deutlich hervor.

Die Analyse zeigt damit: Es ist nicht allein die Schulform entscheidend, sondern vor allem, wie oft und wie intensiv Schüler*innen an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen – denn diese schaffen Zeit, Raum und Gelegenheiten für soziale Nähe.

Den vollständigen Artikel (Open Access) finden Sie hier: https://doi.org/10.1024/1010-0652/a000370

Der Artikel zur Studie von Busching & Krahé (2018) mit dem Titel The Contagious Effect of Deviant Behavior in Adolescence: A Longitudinal Multilevel Study ist 2018 in der Zeitschrift Social Psychological and Personality Science erschienen. Die Autor*innen nutzten dafür die Daten von 16.891 Jugendlichen aus 1.308 Klassen in 252 Ganztagsschulen der „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen 2005-2009“.

Hintergrund und Zielsetzung der Studie

Deviantes Verhalten bei Jugendlichen hängt mit Kriminalität, riskantem Sexualverhalten und Drogenmissbrauch im späteren Leben zusammen. Jugendliche, die deviantes Verhalten in ihrem Umfeld beobachten, neigen dabei stärker dazu, auch selbst deviantes Verhalten zu zeigen. Bisher wurde vor allem deviantes Verhalten innerhalb von Freundesgruppen untersucht, die Autor*innen widmen sich hingegen den Effekten von deviantem Verhalten im Schulkontext.

Methodik und Datennutzung

Die Längsschnittstudie basiert auf einem Paneldesign und erfasste Daten zu zwei Messzeitpunkten. Untersucht wurden dabei zehn Items zu deviantem Verhalten, die mit einer fünfstufigen Skala bewertet wurden, sowie die Schulnoten in Mathematik, Deutsch, Geographie und der ersten Fremdsprache. Im Fokus der Analysen standen sowohl die Auswirkungen des durchschnittlichen Niveaus an deviantem Verhalten in den Klassen als auch die Effekte der Varianz dieses Verhaltens auf Klassenebene. Ergänzend betrachteten die Forschenden Cross-Level-Interaktionen zwischen Klassen- und Individualebene, um die komplexen Zusammenhänge genauer zu beleuchten.

Ergebnisse und Diskussion

Jugendliche, die schon zum ersten Messzeitpunkt deviantes Verhalten zeigten, taten dies auch zum zweiten Messzeitpunkt häufiger. Wenn deviantes Verhalten innerhalb von Klassen etabliert war (niedrige Varianz auf Klassenebene), dann verstärkte sich das deviante Verhalten eher als in Klassen, in denen nur einige wenige Jugendliche zu besonders starkem devianten Verhalten neigten (hohe Varianz auf Klassenebene).

Dieser Zusammenhang war für Schüler stärker als für Schülerinnen. Die Zunahme an deviantem Verhalten erklären die Forschenden damit, dass das deviante Verhalten bei niedriger Varianz zur Norm wird. Dieses Ergebnis überraschte die Forschenden, da theoretisch die individuellen Unterschiede besonders bei einer niedrigen Varianz an deviantem Verhalten einen moderierenden Effekt haben sollten.

Die Ergebnisse legen nahe, dass deviantes Verhalten nicht nur in Freundesgruppen ansteckend ist, sondern auch im Klassenraum. Die Autor*innen kommen zu dem Schluss, dass deviantes Verhalten so früh wie möglich erkannt und bekämpft werden sollte.

Für weitere spannende Details empfehlen wir Ihnen den Volltext zur Studie: https://doi.org/10.1177/1948550617725151

Die Studie von Friedrich & Schütz (2023) mit dem Titel Predicting School Grades: Can Conscientiousness Compensate for Intelligence? ist 2023 im Journal of Intelligence erschienen. Die Autor*innen untersuchen darin die Zusammenhänge zwischen Intelligenz, Gewissenhaftigkeit und den schulischen Leistungen von Schüler*innen in Klasse 13 in Schleswig-Holstein.

Hintergrund und Zielsetzung der Studie

Während Intelligenz traditionell als einer der Hauptfaktoren für den akademischen Erfolg angesehen wird, rückt zunehmend auch die Rolle von Persönlichkeitsmerkmalen, insbesondere Gewissenhaftigkeit, in den Fokus. Gewissenhaftigkeit wird oft als die Fähigkeit beschrieben, organisiert, verantwortungsbewusst und zielstrebig zu handeln. Die zentrale Frage der Studie ist, inwieweit Gewissenhaftigkeit als kompensatorischer Faktor für Intelligenz fungieren kann, um die schulischen Leistungen zu verbessern.

Methodik und Datennutzung

Die Forscher*innen analysierten Sekundärdaten aus der sechsten Welle der Studie Lernergebnisse an beruflichen und allgemeinbildenden Gymnasien in Schleswig-Holstein“ (LISA 6), die von Kampa et al. (2020) durchgeführt wurde. Die Daten umfassen eine repräsentative Stichprobe von 3.775 Schüler*innen der 13. Klassen, die im Schuljahr 2012/2013 erhoben wurden. Die Auswahl der Teilnehmer*innen erfolgte durch ein mehrstufiges, stratifiziertes Clusterverfahren, das sicherstellte, dass sowohl berufliche als auch akademische Gymnasien in die Analyse einbezogen wurden.

Die Daten wurden durch Schulkoordinator*innen erfasst, die Informationen zu Alter, Geschlecht und Noten in ausgewählten Fächern bereitstellten. Darüber hinaus nahmen die Schüler*innen an verpflichtenden Leistungstests teil und füllten einen freiwilligen Fragebogen aus.

Die statistischen Analysen in der Studie umfassten latente Moderationsanalysen, um die Wechselwirkungen zwischen Intelligenz und Gewissenhaftigkeit in Bezug auf die schulischen Leistungen zu untersuchen. Die Forscher*innen nutzen Mehrgruppen-Modelle, um geschlechtsspezifische Unterschiede zu identifizieren.

Ergebnisse und Diskussion

Die Ergebnisse zeigten signifikante Haupt- und Interaktionseffekte: Sowohl Intelligenz als auch Gewissenhaftigkeit hatten positive Auswirkungen auf die Noten in den Fächern Biologie, Mathematik und Deutsch. Besonders bemerkenswert war, dass Gewissenhaftigkeit die Beziehung zwischen Intelligenz und schulischen Leistungen verstärkte, was darauf hindeutet, dass Schüler*innen, die sowohl intelligent als auch gewissenhaft sind, sehr gute Leistungen erbringen. Dies bedeutet umgekehrt, dass Schüler*innen mit hoher Gewissenhaftigkeit, selbst wenn sie im Hinblick auf ihre Intelligenz nicht überdurchschnittlich abschnitten, dennoch gute schulische Leistungen erzielten. In Englisch hingegen wurde keine signifikante Interaktion festgestellt.

Diese Erkenntnisse legen nahe, dass Schulen nicht nur die kognitiven Fähigkeiten der Schüler*innen fördern sollten, sondern auch deren Gewissenhaftigkeit und andere Persönlichkeitsmerkmale. Programme zur Förderung von Selbstorganisation, Zielstrebigkeit und Verantwortungsbewusstsein könnten dazu beitragen, die schulischen Leistungen zu verbessern und die Chancengleichheit zu erhöhen.

Für weitere spannende Details empfehlen wir Ihnen den Volltext zur Studie: https://doi.org/10.3390/jintelligence11070146

Die Studie Effizienz und soziale Ungleichheit in strikt leistungsdifferenzierenden Bildungssystemen. Eine kritische Betrachtung des Model of Ability Tracking (MoAbiT) von Georg Lorenz, Sarah Lenz und Camilla Rjosk. Im November 2023 in der Zeitschrift für Soziologie erschienen, beschäftigt sich diese mit dem momentan wieder stark diskutierten Thema der äußeren Differenzierung von Lernenden.

Im Zentrum der Studie steht die Frage, inwieweit die Stringenz von Leistungsdifferenzierung (z. B. durch verbindliche Übergangsempfehlungen) mit der Effizienz von Lernprozessen und sozialer Ungleichheit in der Sekundarstufe zusammenhängt. Als Ausgangspunkt dient dabei eine kritische Betrachtung des „Model of Ability Tracking“ (MoAbiT) von Hartmut Esser. Dieses Modell bedient sich zweier Grundannahmen, die eine Leistungsdifferenzierung von Lernenden befürworten. Erstens: Sekundarschulklassen mit strikter Leistungsdifferenzierung sind kognitiv homogener zusammengesetzt. Zweitens: Kognitive Homogenität ist mit höheren schulischen Kompetenzen assoziiert. Durch Analysen der Daten zweier IQB-Bildungstrendstudien aus den Jahren 2015 und 2018 untersuchten die Autorinnen und Autoren diese Annahmen empirisch.

Die Analysen zeigten, dass sich die kognitive Homogenität zwischen Klassen aus einem strikten leistungsdifferenzierten System und einem liberalen System ohne bindende Übergangsempfehlung nur teilweise und wenn, dann nur minimal unterscheidet. Somit gibt es keine hinreichenden Belege für die erste Grundannahme des MoAbiT. Weiterhin konnten zwar Leistungsvorteile für Lernende aus strikt leistungsdifferenzierten Schulsystemen festgestellt werden, jedoch lassen sich diese nicht zwangsweise auf die Differenzierung zurückführen. Mögliche Gründe dafür werden von den Autorinnen und Autoren ausführlich diskutiert. Widersprüchlich zeigen sich die Befunde zum Einfluss der kognitiven Homogenisierung auf die individuellen Fähigkeiten von Lernenden. Eine Homogenisierung scheint für Jugendliche mit hohen individuellen Fähigkeiten in Mathematik förderlich zu sein, hingegen scheint sie für Lernende mit geringen individuellen Fähigkeiten nachteilig. Als Grund dafür diskutieren die Autorinnen und Autoren mögliche Peer-Effekte.

Für weitere spannende Ergebnisse und einen erstklassigen Überblick über die Studienlage zum Thema Leistungsdifferenzierung empfehlen wir Ihnen den Volltext zur Studie: https://doi.org/10.1515/zfsoz-2023-2028

In der Studie Zusammenhänge zwischen einem gemeinsamen Unterricht und kognitiven und non-kognitiven Outcomes von Kindern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf von Kuhl et al., die 2022 in der Zeitschrift für Pädagogische Psychologie erschienen ist, zeigt sich die Vielseitigkeit der erhobenen Daten des IQB-Ländervergleiches 2011.

Die Autor*innen der Studie untersuchten die Fragestellung, welche Konsequenzen es für Schüler*innen ohne einen sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF) hat, wenn sie gemeinsam in einer Klasse mit Schüler*innen mit einem SPF unterrichten werden. Dabei bezogen sie sowohl schulische Kompetenzen wie Lesen und Zuhören im Fach Mathematik und Deutsch als auch motivationale und sozio-emotionale Merkmale wie Lernfreude der Schüler*innen ein. Verglichen wurden Schüler*innen ohne SPF, die gemeinsamen mit Schüler*innen mit FPS unterrichten wurden, mit Schüler*innen ohne SPF, bei denen das nicht der Fall war. In die Untersuchung flossen Daten von 25.168 Schüler*innen aus 1.278 Klassen (durchschnittliches Alter: 10.43 Jahre, SD = 0.49, 50 % Mädchen) ein. Dank der großen Stichprobe des IQB-Ländervergleiches 2011 konnten die Autor*innen die Schüler*innen in ihren Analysen auch nach verschiedenen Förderschwerpunkten (Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung) differenzieren und mit Mehrebenenanalysen sowohl individuelle als auch kontextuelle Zusammenhänge mit den abhängigen Variablen untersuchen.

Die Analysen zeigte in den zwei Gruppen (SPF- vs. Nicht-SPF-Klassenkamerad*innen) weder Kompetenzunterschiede noch signifikante Unterschiede in der Ausprägung von sozio-emotionalen Merkmalen. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass ein gemeinsamer Unterricht für Schüler*innen ohne SPF weder Vor- noch Nachteile hat. Entgegen dazu stehen Ergebnisse aus den förderschwerpunktspezifischen Analysen. Diese geben Hinweise darauf, dass die Inklusion von Schüler*innen mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung mit ungünstigen Konsequenzen für Kinder ohne SPF verbunden sein könnte. Die Effekte scheinen dabei jedoch klein zu sein.

Alle Ergebnisse lesen Sie hier: Kuhl, P., Kocaj, A. & Stanat, P. (2022). Zusammenhänge zwischen einem gemeinsamen Unterricht und kognitiven und non-kognitiven Outcomes von Kindern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 36(3), 1–26. https://doi.org/10.1024/1010-0652/a000283

2021 wurde in der Zeitschrift Psychologie in Erziehung und Unterricht die empirische Arbeit „Paul ist nicht so gut in Deutsch" veröffentlicht, die am IQB und mit IQB-Daten entstanden ist. Darin beschäftigten sich Christin Rüdiger, Malte Jansen und Camilla Rjosk mit geschlechtsspezifischen Unterschieden in den Deutschnoten von Jugendlichen der 9. Jahrgangsstufe – oder im Sinne des Titels damit, warum „Paul [...] nicht so gut in Deutsch“ ist.

Dass Jungen im Vergleich zu ihren Mitschülerinnen im Fach Deutsch und anderen sprachlichen Fächern teils deutlich im Rückstand sind, kann man durchaus als Binsenweisheit bezeichnen. Jungen zeigen geringere Kompetenzen im Fach Deutsch und bekommen konsequenterweise schlechtere Noten als ihre weiblichen Peers. Eine wichtige Frage ist dabei: Sind die Notenunterschiede auf das Maß der Kompetenzunterschiede begrenzt oder tragen weitere Faktoren dazu bei? Aus theoretischer Sicht bietet sich dafür eine große Bandbreite möglicherweise relevanter Einflüsse, insbesondere die Lern- und Arbeitsmotivation sowie das Verhalten der Kinder und Jugendlichen oder auch Einstellungen und Merkmale der Lehrkräfte.

Die hier vorgestellte Studie nutzte mit dem IQB-Bildungstrend 2015 Daten aus einer großen repräsentativen Studie, die die Kompetenzen der Jugendlichen im Fach Deutsch differenziert getestet hat und die die Berücksichtigung vieler der gerade angesprochenen Einflussfaktoren ermöglicht.

Die Ergebnisse der Mehrebenenanalysen (teils mit Crosslevel-Interaktionen) bestätigten zunächst einmal die bekannten Beobachtungen: Jungen zeigten im Fach Deutsch niedrigere Kompetenzen und wurden auch unter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten schlechter benotet als Mädchen. Zudem bestätigte sich die Relevanz motivationaler Merkmale für die Schulnoten. Zudem gab es Hinweise auf stereotype Lehrkraftvorstellungen hinsichtlich der Lesebereitschaft ihrer Schüler*innen. Doch auch unter Kontrolle dieser Variablen blieb ein Geschlechtseffekt erhalten, sodass noch immer Forschungspotenzial zu diesem Thema vorhanden ist. Einige Anregungen zu den Möglichkeiten künftiger Untersuchungen geben natürlich die Forscher*innen selbst, ebenso wie weitere, hier nicht erwähnte Ergebnisse.

All das finden Sie im Volltext (open access) des Artikels unter: Rüdiger, C., Jansen, M. & Rjosk, C. (2021). „Paul ist nicht so gut in Deutsch“. Geschlechtsdifferenzielle Benotung im Fach Deutsch – eine Sekundäranalyse der Daten des IQB-Bildungstrends 2015. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 68. DOI: 10.2378/peu2021.art08d

In der 2021 in Learning and Instruction veröffentlichten Studie Does it pay to be one of the oldest in class? Relative age effects on academic self-concept, peer relations, and teacher judgments in German primary schools untersuchten Julia Kretschmann, Andrea Westphal und Miriam Vock, ob die Altersunterschiede innerhalb von Schulklassen einen Effekt auf das akademische Selbstkonzept, die Noten und die Empfehlung zur Versetzung der Schüler*innen hat.

Zur Berechnung der Alterseffekte nutzen die Autorinnen Multilevel-Regressionen. Möglich wurden diese Analysen mit den Daten des IQB-Ländervergleichs 2011. Für diese Studie wurden in einem zweistufigen Verfahren zuerst die untersuchten Schulen zufällig ausgewählt und im zweiten Schritt jeweils eine Klasse pro Schule als Klumpenauswahl befragt. Zusätzlich dazu enthält die Studie auch Informationen zu den Lehrkräften sowie den Schulleitungen. Als Kovariaten wurden anschließend der familiäre Hintergrund, das Geschlecht und der sozioökonomische Status der Schüler*innen identifiziert.

Als Fazit berichten die Autorinnen, dass das Alter zwar einen signifikanten Einfluss auf die abhängigen Variablen hatte, jedoch nur in sehr geringem Umfang. Die Autorinnen schlussfolgerten, dass sich die altersbedingten Unterschiede zwischen den Schüler*innen bis zur vierten Klasse, in der die Ergebung stattfand, bereits angeglichen haben könnten.

Für eine vertiefte Diskussion der Ergebnisse sowie deren grafische Darstellung empfehlen wir Ihnen den Volltext des Artikels: Kretschmann, J., Westphal, A. & Vock, M. (2021). Does it pay to be one of the oldest in class? Relative age effects on academic self-concept, peer relations, and teacher judgments in German primary schools. Learning and Instruction, 74, 101463. https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2021.101463

Die 2019 im Journal of Educational Psychology veröffentlichte Studie Effects of grade retention on students’ motivation: A longitudinal study over 3 years of secondary school von Julia Kretschmann, Miriam Vock, Oliver Lüdtke, Malte Jansen und Anna Gronostaj untersucht, welche Auswirkungen das Wiederholen eines Schuljahres für die schulische Motivation der "sitzenbleibenden" Schüler*innen hat. Thematisch gesehen ist diese Arbeit zwar weder die erste noch die einzige, anders als viele vorherige Studien nutzten die Autor*innen jedoch besonders gut geeignete Daten, um die Klassenwiederholung in einem größeren zeitlichen Rahmen betrachten und robustere Ergebnisse präsentieren zu können.

Einerseits sind Nicht-Versetzungen eher die Ausnahme und in nicht wenigen Schulsystemen gar abgeschafft. Andererseits gehören sie gerade in Deutschland weiterhin zur schulischen Praxis und bleiben durchaus umstritten. Auch der Forschungsstand zu Effekten des Sitzenbleibens gerade auf die Motivation der betroffenen Schüler*innen ist nicht eindeutig. Wie Kretschmann und Kolleg*innen diskutierten, finden sich sowohl Studien, die positive Auswirkungen zum Beispiel für das akademische Selbstkonzept der Wiederholer*innen berichten, wie etwa vor dem Hintergrund des Big-Fish-Little-Pond-Effekts erwartet werden kann, als auch solche mit genau gegenteiligen Ergebnissen. Als ein relevantes Problem für die Untersuchung dieser Effekte identifizierten die Autor*innen der hier vorgestellten Arbeit vorrangig die verwendeten Daten, die, um robuste Analysen zu ermöglichen, sich insbesondere durch ein längsschnittliches Design und eine ausreichend große Fallzahl auszeichnen sollten. Aus diesem Grund nutzten sie die Daten der BiKS 8-14-Studie, die ein Propensity-Score-Matching anhand der Eigenschaften der Schüler*innen noch vor dem "Bekanntwerden" der Klassenwiederholung und einen Vergleich der Entwicklung der ihrer motivationalen Eigenschaften in den folgenden Schuljahren mit normal versetzten Peers ermöglichten.

Die Ergebnisse weisen erstens darauf hin, dass noch im „alten“ Schuljahr – also vor dem eigentlichen „Ereignis“ – Auswirkungen der bevorstehenden Nicht-Versetzungen zeigen und diese Veränderungen zwar zeitlich begrenzt auftreten, aber teils noch ein oder zwei Jahre später beobachtet werden können. Zweitens sprechen besagte Effekte eher gegen die Praxis des Klassenwiederholens. Nicht versetzte Schüler*innen zeigten deutlich schwächer ausgeprägte akademische Selbstkonzepte in Deutsch und Mathematik sowie weniger Interesse in beiden Fächern als ihre ansonsten ähnlichen (ehemaligen) Mitschüler*innen. Direkt vor dem Sitzenbleiben erlebten sie zudem eine negative Entwicklung ihrer Lernmotivation. Die Ergebnisse zur zeitlichen Begrenztheit der Effekte und zum mittelfristigen Verlauf der Motivation der Schüler*innen sind jedoch etwas komplexer.

Für eine ausführlichere Diskussionen dieser Beobachtungen und des theoretischen Hintergrunds sowie eine sehr detaillierte Beschreibung des methodischen Vorgehens empfehlen wir Ihnen den Volltext des Artikels: Kretschmann, J., Vock, M., Lüdtke, O., Jansen, M. & Gronostaj, A. (2019). Effects of grade retention on students’ motivation: A longitudinal study over 3 years of secondary school. Journal of Educational Psychology, 111(8), 1432–1446. DOI: 10.1037/edu0000353.

Der Name Raymond Boudon und sein Modell primärer und sekundärer Herkunftseffekte sind schier allgegenwärtig in der Bildungssoziologie, sobald es um die Erklärung sozial ungleicher Bildungsergebnisse und -erträge geht. Könnte es aber sein, dass dieses Konzept womöglich nicht vollständig ist? Die Studie, die wir diesmal in den Blickpunkt stellen möchten, diskutiert genau dieses Thema; eine Erweiterung des gängigen Modells um einen tertiären Herkunftseffekt sozial ungleicher Notengebung sowie die Rolle psychologischer Eigenschaften. Es handelt sich hierbei um einen Artikel von Marcel Helbig und Tatjana Morar, der 2018 im International Journal of Learning, Teaching and Educational Research veröffentlicht wurde.

Dass Noten nicht unbedingt objektive Indikatoren schulischer Leistungen und kognitiver Leistungsfähigkeit einer Person sind, dürfte kaum jemanden überraschen. Notenunterschiede nach sozialen Hintergrundmerkmalen sind auch bei gleichen Kompetenzen zu beobachten und in die Notengebung fließen erwiesenermaßen auch Persönlichkeitsmerkmale wie etwa die Anstrengungsbereitschaft ein. Einige hierbei tätige Mechanismen sind jedoch bislang nicht ausreichend verstanden. Helbig und Morar stellen hier die Frage, wie diese drei Faktoren zusammenpassen. Wirken psychologische Eigenschaften im Sinne des primären Herkunftseffekts, indem sie einerseits von der sozioökonomischen Herkunft abhängen und andererseits Noten beeinflussen? Oder tritt ein von solchen Merkmalen unabhängiger Effekt auf, der soziale ungleiche Noten nach sich zieht und als tertiärer Effekt zu bezeichnen wäre?

Zur Beantwortung dieser Fragen für Schüler*innen am Ende ihrer Grundschulzeit führten die beiden Autor*innen lineare Mehrebenenregressionen auf der Grundlage mehrerer bei uns am FDZ verfügbarer Studien durch. Neben den Daten aus BiKS 8-14 nutzten sie auch jene aus TIMSS 2011, dem IQB-Ländervergleich 2011 sowie der Berliner ELEMENT-Studie. Sie stellten dabei fest, dass die lern- und leistungsbezogenen personalen Merkmale der Schüler*innen, wie sie von den Kindern selbst und ihren Eltern eingeschätzt wurden, zwar einen Einfluss auf die Noten hatten, sie jedoch wenig dazu beitragen konnten, Notenverzerrungen nach der sozioökonomischen Herkunft zu erklären. Im Gegensatz dazu zeigten die Analysen, dass die Einschätzungen derselben Merkmale durch die Lehrkräfte sowohl einen deutlichen Einfluss auf die Schulnoten hatten als auch sich je nach Sozial- und Bildungsstatus der Familie merklich unterschied. Die Lehrkräfte tendierten also dazu, von Schüler*innen höher gebildeter Eltern positivere Persönlichkeitseigenschaften zu erwarten und diese Erwartung in besseren Noten zu reflektieren. Zusätzlich dazu beobachteten Helbig und Morar auch eine signifikante Interaktion zwischen dem Bundesland und der Einschätzung der elterlichen Unterstützungskapazitäten durch die Lehrkraft.

Für eine ausführliche Diskussion dieses Effekts und der übrigen Hintergründe, Ergebnisse und Implikationen finden Sie wie üblich unter der nachstehenden DOI den Volltext des Artikels: Helbig, M. & Morar, T. (2018). Why Teachers Assign Socially Unequal Marks. A Case for Establishing Tertiary Origin Effects in the Model of Primary and Secondary Effects of Educational Research. International Journal of Learning, Teaching and Educational Research, 17(7), 1–25. https://doi.org/10.26803/ijlter.17.7.1

Lehrkräfte spielen eine wichtige Rolle einerseits bei der Reproduktion, andererseits aber auch bei der Verringerung sozialer Bildungsungleichheiten. Vor diesem Hintergrund stellten die Autor*innen Charlotte Ostermann und Martin Neugebauer die Frage, ob in der Ähnlichkeit zwischen Schüler*innen und Lehrkräften hinsichtlich der sozialen Herkunft ausgleichendes Potenzial liegt. Unter Verwendung von Propensity Score Matching und auf der Grundlage längsschnittlicher Daten aus PISA-I-Plus 2003-2004 verglichen sie Schüler*innen aus Familien mit niedrigem bzw. hohem sozioökonomischen Status, die von Lehrkräften mit ähnlichem sozialem Hintergrund unterrichtet wurden, mit solchen, deren Lehrkräfte ihnen sozial weniger ähnlich waren.

Anders als eine der beiden diskutierten Lesarten des Bourdieuschen Habituskonzepts erwarten ließe, macht Ähnlichkeit nicht den Unterschied. Schüler*innen profitierten weder in der wahrgenommenen Unterstützung noch im Kompetenzerwerb oder der Benotung davon, von sozial ähnlichen Lehrkräften unterrichtet und bewertet zu werden. Hingegen konnte ein vom Sozialstatus der Jugendlichen unabhängiger negativer Effekt des Hintergrunds der Lehrkräfte auf die Unterstützungswahrnehmung festgestellt werden.

Für eine ausführliche Diskussion der theoretischen Hintergründe, unterschiedlicher Operationalisierungen sowie der Ergebnisse und Implikationen empfehlen wir Ihnen die Volltextlektüre des (im Übrigen unter open access veröffentlichten) Artikels: Ostermann, C. & Neugebauer, M. (2021). Macht Ähnlichkeit den Unterschied? Wenn sozioökonomisch benachteiligte Schülerinnen und Schüler von sozial ähnlichen Lehrkräften unterrichtet werden. KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 1–25. DOI: 10.1007/s11577-021-00779-3.

Julia Kretschmann, Andrea Westphal und Miriam Vock untersuchten mithilfe des IQB-Ländervergleichs 2011, wie das relative Alter von Grundschüler*innen einer Klasse mit ihrer Selbstwahrnehmung der schulischen Leistungen, ihrer sozialen Akzeptanz in der Klasse und der Beurteilung ihrer Fähigkeiten durch die Lehrenden zusammenhängt. Zur Beantwortung der Fragestellungen führten sie eine mehrstufige Regression durch, um für die Kovariaten auf individueller und auf Klassenebene zu kontrollieren. Schließlich zeigten sie, dass es keine signifikanten relativen Alterseffekte innerhalb der Klasse bei den einzelnen Ergebnissen gab, mit Ausnahme eines kleinen Vorteils für die Jüngsten in ihrem Leseselbstkonzept. Die Ergebnisse der Studie widersprechen damit der gängigen Annahme, dass jüngere Schüler*innen einer Klasse im Vergleich zu ihren älteren Mitschüler*innen benachteiligt sind.

Weitere Ergebnisse können Sie gerne hier nachlesen: Kretschmann, J., Westphal, A., & Vock, M. (2021). Does it pay to be one of the oldest in class? Relative age effects on academic self-concept, peer relations, and teacher judgments in German primary schools. Learning and Instruction, 74(4), 101463. https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2021.101463

Robert Busching und Barbara Krahé veröffentlichten 2020 im Journal of Youth and Adolescence einen Artikel. Sie führten eine Sekundäranalyse der StEG-Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen 2005-2009 durchführten. Dabei untersuchten sie, wie das durchschnittliche Niveau an prosozialem Verhalten der Mitschüler*innen in der Klasse die Entwicklung des individuellen prosozialen Verhaltens beeinflusst. Zur Beantwortung der Fragestellungen führten die Autor*innen Mehrebenenanalysen in R durch und prüften auch, ob sich die Effekte der Klassenkomposition zwischen Mädchen und Jungen bzw. in Abhängigkeit vom individuellen Ausgangsniveau an prosozialem Verhalten unterscheiden. Die Ergebnisse zeigten, dass Jugendliche in Klassen mit einem hohen kollektiven Niveau an prosozialem Verhalten circa zwei Jahre später mehr prosoziales Verhalten berichteten. Insbesondere Jugendliche mit einem geringen selbstberichteten prosozialen Verhalten zum ersten Messzeitpunkt profitiertem von einer positiven Klassenkomposition.

Inwieweit das Geschlecht der Schüler*innen diese Zusammenhänge moderiert, können Sie in diesem Artikel nachlesen, der auch durch den ansprechenden Titel ins Auge springt: Busching, R. & Krahé, B. (2020). With a little help from their peers: The impact of classmates on adolescents' development of prosocial behavior. Journal of Youth and Adolescence, 49, 1849–1863. https://doi.org/10.1007/s10964-020-01260-8.

Die Autorinnen Elisa Oppermann und Rebecca Lazarides untersuchten auf der Grundlage der Daten von BiKS 8-14 die im Journal Teaching and Teacher Education veröffentlichte Studie von Zusammenhänge zwischen der Selbstwirksamkeit der Lehrkräfte, der von den Kindern wahrgenommenen Unterstützung und ihrem Mathematikinteresse. Sie nutzten dabei die Datenstruktur der BiKS-Studie für längsschnittliche Analysen zum Ende der Grundschulzeit. In Mehrebenen-Strukturgleichungsmodellen konnten sie positive Lehrkraft-Effekte feststellen - allerdings unter einer Bedingung: Es zeigte sich, dass sich die Selbstwirksamkeitserwartung der Lehrkräfte positiv auf die von den Kindern wahrgenommene Unterstützung auswirkte, welche wiederum positiv das Interesse der Kinder an Mathematik beeinflusste. Ein signifikanter direkter oder indirekter Effekt der Selbstwirksamkeit auf das Interesse konnte jedoch nicht festgestellt werden. Ein unterstützendes Verhalten der Lehrkräfte sei also zentral, so die Autorinnen.

Wie diese Ergebnisse zu erklären sind und was sie für Forschung und Praxis bedeuten, können Sie hier nachlesen: Oppermann, E. & Lazarides, R. (2021). Elementary school teachers' self-efficacy, student-perceived support and students’ mathematics interest. Teaching and Teacher Education, 103(6). https://doi.org/10.1016/j.tate.2021.103351

Daniel Schmerse veröffentlichte einen Artikel in der Zeitschrift Child Developement über eine Studie, die anhand der Daten von BiKS 3-10 den Zusammenhang der Qualität der Kind-Erzieher*innen-Beziehung in der Vorschulzeit und der späteren Mathematik- und Lesekompetenz der Grundschulkinder untersuchte. In moderierten Mediadtionsanalysen wurden Einflüsse motivationaler Merkmale und des sozioökonomischen Status der Familie sowie weiterer Kontrollvariablen auf die Leistungen in der 2. Jahrgangsstufe betrachtet. Es zeigte sich, dass positive Lern- und Leistungseinstellungen von Grundschulkindern bereits in der Vorschule gefördert werden können.

Was dieses Ergebnis für Kinder mit niedrigerem sozioökonomischen Hintergrund bedeutet, können Sie in der Studien nachlesen: Schmerse, D. (2020). Preschool Quality Effects on Learning Behavior and Later Achievement in Germany: Moderation by Socioeconomic Status. Child Development, 91: 2237-2254. [https://doi.org/10.1111/cdev.13357

In einem Artikel von Jenny Kuschel, Dirk Richter und Rebecca Lazarides, der 2020 in der Zeitschrift für Bildungsforschung veröffentlicht wurde, untersuchten die Autor*innen anhand der Lehrkräftedaten aus den IQB-Ländervergleichen 2011 und 2012 sowie dem IQB-Bildungstrend 2015, inwieweit gesetzliche Vorgaben zum Besuch von Fortbildungen und die Nachweispflicht des Besuchs dazu beitragen, dass Lehrkräfte auch tatsächlich eher eine Fortbildung besuchen. Die Ergebnisse auf Basis linearer und logistischer Regressionsmodelle weisen darauf hin, dass gesetzliche Vorgaben zum Fortbildungsumfang mit einer höheren Anzahl besuchter Fortbildungen durch die Lehrkräfte einhergehen. Allerdings zeigte sich nur in einer der drei untersuchten Studien, dass eine spezifische Fortbildungspflicht die Wahrscheinlichkeit der Teilnahme erhöht.

In welcher Studie dieser Zusammenhang bestand und ob es Unterschiede in der Fortbildungsteilnahme zwischen Bundesländern mit einer Nachweispflicht der Teilnahme von Fortbildungen gibt, können Sie in diesem Artikel nachlesen: Kuschel, J., Richter, D. & Lazarides, R. (2020). Wie relevant ist die gesetzliche Fortbildungsverpflichtung für Lehrkräfte? Eine empirische Untersuchung zur Fortbildungsteilnahme in verschiedenen deutschen Bundesländern. Zeitschrift für Bildungsforschung, 10(2), 211–229. https://doi.org/10.1007/s35834-020-00274-3

In einer Studie von Marcus Roller und Daniel Steinberg vor, die im European Economic Review veröffentlicht wurde, untersuchten die Autoren, ob ein früherer Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule mit Leistungsunterschieden von Neuntklässler*innen im Leseverständnis einhergeht. Zur Beantwortung ihrer Forschungsfrage nutzten die beiden Forscher eine Schulreform, in deren Folge die Schüler*innen nicht mehr nach der sechsten Klasse, sondern bereits nach der vierten Klasse auf Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen verteilt wurden. Sie analysierten die Daten der PISA-Studien und des IQB-Ländervergleichs 2008/09 anhand eines Differences-in-Differences-Ansatzes. Dabei verglichen sie die standardisierten Testergebnisse von Schüler*innenkohorten vor und nach der Schulreform im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, in der diese Reform nicht durchgeführt wurde. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass ein früherer Übergang der Schüler*innen auf die weiterführende Schule im Durchschnitt nicht bedeutsam mit den schulischen Kompetenzen zusammenhing. Allerdings profitierten leistungsstärkere Schüler*innen, die auf ein Gymnasium wechselten, von einem früheren Übergang, während leistungsschwächere Schüler*innen im Durchschnitt geringere Leistungen im Leseverständnis erzielten.

Weitere Ergebnisse können Sie hier nachlesen: Roller, M. & Steinberg, D. (2020). The distributional effects of early school stratification - non-parametric evidence from Germany. European Economic Review. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.euroecorev.2020.103422

Die Studie von Cansu Atlay (Universität Tübingen) und Kolleg*innen, die 2019 in der Zeitschrift Learning and Instruction erschienen ist, untersuchte auf Basis der längsschnittlichen Studie PISA-I-Plus 2003, 2004, wie die wahrgenommene Unterrichtsqualität (kognitive Aktivierung, Klassenmanagement und unterstützendes Lernklima) mit den schulischen Kompetenzen in Mathematik zusammenhängt. Der Fokus der Studie lag darauf, ob sich differenzielle Effekte in Abhängigkeit vom Bildungshintergrund der Eltern (ISCED) nachweisen lassen. Anhand von Mehrebenenanalysen fanden die Forschenden insgesamt einen positiven Zusammenhang zwischen dem Klassenmanagement und den Mathematikleistungen der Schüler*innen. Für die Unterrichtsdimensionen der kognitiven Aktivierung und des unterstützenden Lernklimas zeigten sich differenzielle Effekte auf die schulischen Kompetenzen von Schüler*innen mit einem hohen ISCED im Vergleich zu Schüler*innen mit einem mittleren oder niedrigen ISCED.

In welche Richtung diese differenziellen Effekte ausgeprägt waren und wie diese beiden Unterrichtsdimensionen soziale Disparitäten im Kompetenzerwerb moderieren, können Sie hier nachlesen: Atlay, C., Tieben, N., Hillmert, S., & Fauth, B. (2019). Instructional quality and achievement inequality: How effective is teaching in closing the social achievement gap? Learning and Instruction, 63, 1-10. https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2019.05.008

Eine Studie von Karen Aldrup (Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, IPN Kiel) und Kolleg*innen, die 2019 in der Zeitschrift Journal of Educational Psychology erschienen ist, nutzte die Daten der längsschnittlichen BiKS 8-14-Studie, um der Fragestellung nachzugehen, inwieweit die Mathematikangst von Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe I mit ihrer Leistungsentwicklung zusammenhängt. Darüber hinaus wurde geprüft, wie die Sensitivität der Lehrkräfte, akademische Probleme und emotionale Unterstützungsbedarfe ihrer Schülerinnen und Schüler wahrzunehmen, den Zusammenhang zwischen Mathematikangst und Mathematikleistung beeinflusst. Auf Grundlage von Cross-Lagged-Panel-Analysen kamen die Autorinnen und Autoren zu dem Ergebnis, dass reziproke und negative Zusammenhänge zwischen Mathematikangst (insbesondere Sorgen) und Leistung bestehen. Eine hohe Sensitivität der Lehrkräfte kann zudem zu einer geringeren Mathematikangst der Schülerinnen und Schüler beitragen.

Weitere Ergebnisse können Sie hier nachlesen: Aldrup, K., Klusmann, U., & Lüdtke, O. (2019). Reciprocal associations between students’ mathematics anxiety and achievement: Can teacher sensitivity make a difference? Journal of Educational Psychology. Advance online publication. https://doi.org/10.1037/edu0000398

Für eine Studie von Fabian Wolff (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) und Kolleg*innen, die 2018 in der Zeitschrift Journal of Educational Psychology erschienen ist, nutzten die Autor*innen für ihre Analysen in der ersten Teilstudie die Daten der längsschnittlichen ELEMENT-Studie. Zusätzlich führten die Autor*innen eigene Datenerhebungen durch. Mittels Strukturgleichungsmodellen und Mehrebenenanalysen untersuchten sie, wie drei verschiedene Vergleichsprozesse gemeinsam die Ausbildung des akademischen Selbstkonzepts beeinflussen: soziale Vergleiche mit anderen Schülerinnen und Schülern, dimensionale Vergleiche der eigenen Leistungen zwischen verschiedenen Schulfächern sowie temporale Vergleiche der eigenen Leistungen mit vorangegangenen Leistungen. Es zeigte sich, dass Schülerinnen und Schüler in leistungsstärkeren Klassen niedrigere Selbstkonzepte berichten als in leistungsschwächeren Klassen (soziale Vergleiche). Während die schulischen Leistungen innerhalb eines Faches positiv mit dem akademischen Selbstkonzept zusammenhingen, zeigten sich zwischen Fächern negative Zusammenhänge zwischen Leistungen und Selbstkonzept (dimensionale Vergleiche). Außerdem führten Leistungszuwächse zu einer Steigerung des akademischen Selbstkonzepts (temporale Vergleiche).

Welche dieser Vergleichsprozesse das Selbstkonzept am stärksten beeinflusst und wie die Ähnlichkeit zwischen Schulfächern mit dimensionalen Vergleichen zusammenhängt, können Sie hier nachlesen: Wolff, F., Nagy, G., Retelsdorf, J., Helm, F., Köller, O., & Möller, J. (2018). The 2I/E model: Integrating temporal comparisons into the internal/external frame of reference model. Journal of Educational Psychology. Advance online publication. DOI: http://dx.doi.org/10.1037/edu0000319

Für eine Studie von Rebecca Lazarides (Universität Potsdam) und Janine Buchholz (DIPF), die 2019 in der Zeitschrift Learning and Instruction erschienen ist, nutzten die Autorinnen für ihre Analysen die Daten der längsschnittlichen PISA-I-Plus-Studie (2003/2004). Mittels Mehrebenenanalysen untersuchten sie Zusammenhänge der Unterrichtsqualität im Mathematikunterricht mit verschiedenen Aspekten leistungsbezogener Emotionen der Schüler*innen in der 9. und 10. Jahrgangsstufe.

Hierbei zeigte sich beispielsweise, dass eine hohe wahrgenommene Unterstützung durch Lehrkräfte in der 9. Klasse mit einem niedrigeren Niveau an Langeweile und Angst in der 10. Klasse einhergingen.

In welchem Zusammenhang die wahrgenommene Unterrichtsqualität mit der Lernfreude stand und zu welchen Erkenntnissen die Autorinnen außerdem gekommen sind, können Sie im untenstehenden Artikel nachlesen: Lazarides, R. & Buchholz, J. (2019). Student-perceived teaching quality: How is it related to different achievement emotions in mathematics classrooms? Learning and Instruction, 61, 45-59. DOI: https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2019.01.001

In einem Artikel von Eric Richter, Dirk Richter und Alexandra Marx, der 2018 in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft veröffentlicht wurde, untersuchten die Autor*innen mit Lehrkräftedaten aus dem IQB-Ländervergleich 2012 – welchen Sie beim FDZ am IQB beantragen können – die Autor*innen, welche Barrieren Lehrkräfte von der Teilnahme an Fortbildungen abhalten.

Die Arbeit versucht außerdem die Frage zu beantworten, ob sich Lehrkräfte, die nicht an Fortbildungen teilnehmen, systematisch von Lehrkräften unterscheiden, die eine regelmäßige Teilnahme vorweisen. Gruppenvergleiche zwischen Teilnehmenden und Nicht-Teilnehmenden mittels Varianzanalyse zeigten signifikante Unterschiede hinsichtlich des Geschlechts und der Berufserfahrung.

So ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Fortbildung teilzunehmen, für weibliche Lehrkräfte und Lehrkräfte mit geringerer Berufserfahrung höher als für männliche Lehrkräfte mit höherer Berufserfahrung.

Welche Gründe für eine Nicht-Teilnahme berichtet wurden und inwieweit diese mit der Fortbildungsaktivität von Lehrkräften zusammenhängen, können Sie im unten stehenden Artikel nachlesen: Richter, E., Richter, D. & Marx, A. (2018). Was hindert Lehrkräfte an Fortbildungen teilzunehmen? Eine empirische Untersuchung der Teilnahmebarrieren von Lehrkräften der Sekundarstufe I in Deutschland. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 21, 1021-1043. DOI: https://doi.org/10.1007/s11618-018-0820-4

In einer Studie von Julia Kretschmann und Kollegen, die 2016 im Journal Contemporary Educational Psychology veröffentlicht wurde, unterscuhten die Autor*innen, welchen Einfluss das Überspringen einer Klassenstufe in der Grundschule auf die Motivation und die sozio-emotionale Entwicklung von Kindern hat.

Die Analysen basieren auf den Daten der längsschnittlichen ELEMENT-Studie, die Sie an unserem FDZ beantragen können. In dieser Studie liegen neben den Kompetenzdaten Fragebogendaten von ca. 5.000 Schüler*innen aus drei Jahrgangsstufen sowie von deren Eltern und Lehrkräften vor.

Die Forschenden nutzten ein Propensity-Score-Matching-Verfahren, um Kinder mit ähnlichen Lernvoraussetzungen und Hintergrundmerkmalen zu vergleichen. Es zeigte sich, dass das Überspringen einer Klasse keine Auswirkungen auf die selbstberichtete Schulzufriedenheit hatte, aber mit einer geringeren selbstberichteten sozialen Integration zusammenhing.

Inwieweit sich das Überspringen einer Klassenstufe auf das akademische Selbstkonzept und die Schulangst auswirkte und ob Geschlechterunterschiede gefunden werden konnten, erfahren Sie im unten stehenden Artikel: Kretschmann, J., Vock, M., Lüdtke, O., & Gronostaj, A. (2016). Skipping to the bigger pond: Examining gender differences in students’ psychosocial development after early acceleration. Contemporary Educational Psychology, 46, 195-207. DOI: https://doi.org/10.1016/j.cedpsych.2016.06.001

2018 ist eine Studie von Fabian Wolff und Kolleg*innen im Journal of Educational Psychology veröffentlicht. In diesem Artikel wurden simultane Effekte sozialer, temporaler und dimensionaler Vergleichsprozesse auf das akademische Selbstkonzept von Schülerinnen und Schülern in den Blick genommen. Die Analysen basieren auf Primärdaten der Forschenden sowie auf Daten der längsschnittlichen ELEMENT-Studie, die an unserem FDZ beantragt werden kann.

Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie sich Primärdaten aus einem experimentellen Design und Sekundärdaten aus Large-Scale Assessments zur Beantwortung einer wissenschaftlichen Fragestellung kombinieren lassen. Als Ergebnis zeigte sich, dass Schüler*innen bei der Ausbildung ihrer Fähigkeitsselbsteinschätzungen soziale Vergleiche zu ihren Mitschüler*innen, temporale Vergleiche zu ihren vorherigen schulischen Leistungen und dimensionale Vergleiche ihrer eigenen Fähigkeiten zwischen verschiedenen Fächern nutzen und die daraus gewonnen Informationen integrieren.

Inwieweit Abwärts- bzw. Aufwärtsvergleiche (z. B. mit schwächeren bzw. besseren Mitschülerinnen und Mitschülern) das akademische Selbstkonzept unterschiedlich beeinflussen, können Sie in der unten zitierten Publikation nachlesen: Wolff, F., Helm, F., Zimmermann, F., Nagy, G., & Möller, J. (2018). On the effects of social, temporal, and dimensional comparisons on academic self-concept. Journal of Educational Psychology. Advance online publication. http://dx.doi.org/10.1037/edu0000248

In einer Studie von Sog Yee Mok und Kolleginnen, die 2016 in Frontiers in Psychology veröffentlicht wurde, untersuchten die Autorinnen den Zusammenhang zwischen dem Anteil an Schüler*innen türkischer Herkunft in der Klasse und den Lesekompetenzen sowie dem Schulzugehörigkeitsgefühl der Schüler*innen.

Die Analysen basieren auf den Daten des IQB-Ländervergleichs 2008/2009, die an unserem FDZ beantragt werden können. Als Ergebnis zeigte sich, dass Jugendliche türkischer Herkunft, aber nicht Jugendliche deutscher Herkunft, in Klassen mit einem höheren Anteil türkisch-stämmiger Mitschüler*innen ein höheres Schulzugehörigkeitsgefühl berichten.

Wie der Anteil an Schüler*innen türkischer Herkunft mit den Lesekompetenzen zusammenhängt, erfahren Sie in der unten zitierten Publikation: Mok, S. Y., Martiny, S. E., Gleibs, I. H., Keller, M. M., & Froehlich, L. (2016). The relationship between ethnic classroom composition and Turkish-origin and German students’ reading performance and sense of belonging. Frontiers in Psychology, 7, 1071. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2016.01071

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